Buch Rezension

Die Osterweiterung der Europäischen Union“ von Markus Warasin. Verlagsanstalt Athesia Ges.m.b.H. Bozen, 2000. 142 S. Taschenbuchausgabe 16,50 €;„

Markus Warasin beschreibt in seinem Buch die Vorgänge der, zu diesem Zeitpunkt, unmittelbar bevorstehende Osterweiterung der Europäischen Union, die sowohl für die Beitrittskandidaten, als auch für die EU große Anstrengungen versprach. Nach einer kurzen Zusammenfassung der europäischen Einigungsversuche (in Form von NATO, OSZE,…), und der Geschichte der erfolgreichen EWG, lenkt er durch die bewusste Auslassung Maltas, Zyperns und der Türkei das Hauptaugenmerk auf die 10 ehemalig kommunistischen Staaten Osteuropas. Dabei verwendet der Autor zwei Perspektiven: Die eine gibt Einblicke in den Transformationsprozess der ehemalig kommunistischen Staaten, die andere veranschaulicht die Aktionen bzw. Reaktionen der EU gegenüber ihren Beitrittskandidaten. Diese doppelte Sicht, die sich einem roten Faden gleich durch das ganze Buch zieht, ermöglicht dem Leser einen möglichst objektiven Einblick über das Geschehen. So versucht er in ca. 4 Abschnitten, unter der Berücksichtigung etwaiger Probleme, zu erläutern, wie vorgegangen wird, bzw. vorzugehen sei, um eine optimale Einbindung der Beitrittswerber zu erzielen:
Im ersten kommt der Zusammenhang zwischen dem wirtschaftlichen Niedergang der RGW-Staaten und den Assoziierungsabkommen, die die Länder durch die Lancierung diverser Hilfsprogramme wie PHARE langsam an die EU-15 anpassen sollten, zur Sprache. Entscheidend hervorgehoben wird vor allem die Kopenhagener Konferenz 1993, die die Mitgliedschaftskriterien und damit die Vorgangsweise für die osteuropäischen Länder festlegte.
Im zweiten Abschnitt wird auf den geopolitischen und historischen Kontext der 10 Beitrittskandidaten eingegangen und eine Stellungsnahme der Europäischen Kommission zum Verhandlungsstatus abgegeben. Besonders Ungarn, Polen, Estland, die Tschechische Republik und Slowenien, die „ab dem Jahre 2002 die ersten sein werden, die in den Kreis der Mitglieder der EU aufgenommen werden“ unterzieht Warasin einer gründlicheren Analyse: Der Aufbau der Exekutive, der Legislative und der Judikative, Menschenrechte und Minderheitenschutz und die Einstellung zum politischen System und zur Europäischen Union, wobei Umfragen und Statistiken den letzten Punkt noch einmal untermauern.
Im dritten Abschnitt befasst sich der Autor mit den allgemeinen Verpflichtungen der Beitrittswerber, die über den Beitritt hinausgehen, wie der raschen Umsetzung des Weißbuches mit den darin enthaltenen Binnenmarktvorschriften. Anhand dessen skizziert er den Verlauf der Integration in die Europäische Union, den die 10 Beitrittswerber nehmen sollten, verweist jedoch auch auf mögliche Probleme durch Billiglöhne oder die Belastung der Nettozahler.
Weitere eventuelle Nachteile listet Warasin im vierten Abschnitt auf: So werden neben ökonomischen Vorteilen, wie dem Wachstum der osteuropäischen Märkte die Risiken, z.B. durch die Erhöhung der Nettoempfänger und Billigkonkurrenz angesprochen. Aber auch der immense Arbeitaufwand in der Zusammenarbeit bei den Bereichen Justiz und Inneres, der auf zwei unterschiedliche Gesellschafts- und Rechtssysteme zurückzuführen ist, wird thematisiert.
Nichtsdestotrotz ist der Autor der Überzeugung, die bisherige Zusammenarbeit habe sich als rentabel erwiesen, da die EU mehr von den neuen Mitgliedstaaten profitiere als umgekehrt. Dies führt er auf die Wesorientierung der Länder zurück, die alte Strukturen revitalisieren, bzw. bestehende abändern, um im neuen Europa mitgestalten zu können. Allerdings konstatiert der Autor diesen Handlungsbedarf auf beiden Seiten, damit nicht nur die Wirtschaftszentren sondern auch rurale Gebiete durch die Erweiterung gewinnen.

Insgesamt erläutert Warasin gut verständlich den Transformationsprozess der 10 mittel- bzw. osteuropäischen Staaten, den diese gerade durchlaufen, ohne die Aufgaben der EU zu vergessen, die durch nötige Veränderungen einerseits organisatorisch im Europaparlament, sowie andererseits kulturell auf die ehemaligen kommunistischen Staaten vorbereitet sein will. Dabei verdeutlicht der Autor, dass die Erweiterung nicht bloß ein formaler Akt ist, sondern dass sie neben ökonomischen und organisatorischen vor allem positive kulturelle und soziale Veränderungen für die Bevölkerung mit sich bringt. Um sich ein Bild über die europäische Osterweiterung zu machen, ist das Buch als Lektüre auf jeden Fall hervorragend geeignet, wenn man Informationen über Malta und Zypern nicht benötigt.
Schmale - 5. Dez, 14:23

Rezension

Die Rezension ist gut gelungen!

mwarasin - 18. Feb, 21:29

Gute Arbeit!

Sehr gute Rezension! ;-) Aber vor allem hervorragende Vorbereitung auf das Thema. mw

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